Reiseproviant und Seelenfutter für die Daheimgebliebenen

Weil ZeitfürKuchen, das heißt natürlich, weil ich noch lange nicht genug gelernt habe rund um die Zauberei süßer Köstlichkeiten, ging es am Samstag nach München. Der Tortendekorationskurs, den ich besuchen durfte, war ein Geschenk vom Liebsten zum Geburtstag. Toll, oder? München, du wunderschöne Stadt, meine alte Heimat, meine Liebe – du besonderes Fleckchen Erde wirst immer einen Platz in meinem Herzen haben und ich habe mich riesig gefreut, dich nach so langer Zeit einmal wieder zu sehen.

Kennt ihr das auch, reisen macht hungrig? Ganz egal wie gut ich zuvor gegessen habe, wenn ich im Auto, Zug oder Flugzeug unterwegs bin, kommen die kleinen Hungermonster an mein Ohr und flüstern mir Köstlichkeiten ein, so dass ich meist nicht lange widerstehen kann und etwas naschen oder knabbern muss. Verglichen mit Postkutschen-Zeiten ist es zwar ein Katzensprung, aber ein bisschen vorsorgen werde ich darum wohl müssen.  

Und dann sind da ja auch noch die Daheimgebliebenen, die unbedingt ein bisschen Seelenfutter brauchen – genug Gründe also, um ein paar Biscuits zu backen. Ideal als Proviant und als kleine Seelentröster zwischendurch, ganz egal wo sie genossen werden.

Cynthia Barcomi macht wunderbare Biscuits, ich bin immer wieder ganz begeistert. Sie lassen sich fix herstellen und schmecken wunderbar. Ideal also für mein aktuelles Backvorhaben. In der "Lecker Bakery - Special 2013 - No 3" werden die Rezepte mit einer ausführlichen Anleitung von Cynthia vorgestellt. Ich habe das Rezept der Schokoladen-Kirsch-Biscuits leicht abgewandelt.

Zutaten

  • 100 g Zartbitterschokolade (ich habe Schokotropfen verwendet)
  • 100 g getrocknete Früchte gemischt mit Nüssen (jeweils grob gehackt)
  • 1 Bio Orange (die abgeriebene Schale davon)
  • 150 ml kalte Buttermilch
  • 1 Päckchen Vanille-Extrakt
  • 200 g Mehl + etwas Mehl zum ausrollen
  • 80 g Speisestärke
  • 35 g Muscovado Zucker
  • 1 Tl Backpulver
  • ½ Tl Natron
  • ½ Tl Salz
  • 125 g kalte Butter (ich habe Joghurtbutter verwendet, die Butter sollte kleingewürfelt sein)

Zubereitung

Zuerst lege ich zwei Backbleche mit Backpapier aus und heize den Backofen auf 175°C Umluft vor. Da die Zutaten rasch zu einem Teig verarbeitet und dabei möglichst kalt bleiben sollten, ist es wichtig, alle Zutaten bereits abgewogen und ggf. schon vorgemischt bereit zu stellen.

Genauso gut wie Tröpfchen lässt sich gehackte Schokolade verarbeiten. Diese, ebenso wie die Nüsse und das Trockenobst, vorbereiten und zur Seite stellen. Anschließend die trockenen Zutaten von Mehl bis Salz in einer großen Schüssel mischen und ebenfalls bereitstellen. Die kalte Buttermilch mische ich mit dem Vanilleextrakt. Nun die Butter zu den trockenen Zutaten geben und alles rasch mit den Händen grobkrümelig verarbeiten. Cynthia empfiehlt dazu die Fingerspitzen, damit die Biscuits schön locker werden. Das kalte Buttermilchgemisch zu den groben Mehl-Butter-Krümeln geben und alles ganz kurz vermengen. Nur so lange mischen, bis gerade so ein Teig entstanden ist. Nun kommen noch rasch die Schokolade und die Nuss-Trockenobst-Mischung dazu – und schon ist der Teig fertig.

Den Teig auf einer gut bemehlten Arbeitsfläche mit den Händen zu einer ca. 2 cm dicken Platte flach drücken und mit einem Ausstecher Kekse ausstechen. Diese mit Hilfe einer Palette auf die vorbereiten Backbleche legen und im Ofen für ca. 15 Minuten backen. Auf einem Kuchengitter auskühlen lassen und in Dosen luftdicht verpacken.

Ein paar Biscuits sind in meine Reisetasche gewandert und die übrigen habe ich für die Liebsten in einer Gebäckdose luftdicht verpackt. Alles ist bereit und nun geht es endlich, voller Vorfreude, nach München. Mein Ziel ist Wöllsteins-Desserthaus, in dem die international bekannte Patissière Beate Wöllstein, "passionierten Laien und Profis in einer Vielzahl von Kursen alles, was man zur Herstellung von Desserts und Torten in exzellenter Patisserie-Manier wissen sollte", vermittelt.

Und dann ist es auch schon so weit, Frau Wöllstein begrüßte alle Teilnehmer sehr herzlich und gibt eine  kurze Einführung in das, was wir in den kommenden viereinhalb Stunden vorhaben. Der Kurs heißt „Figuren modellieren“ und konkret lautet die Aufgabe, eine „sitzende Fee auf einem roten Sessel“ zu modellieren! Oh weh, eine echte Herausforderung, ich habe großen Respekt und bin ein bisschen skeptisch, ob meine Fee als solche erkennbar sein wird. Der Raum ist, wahrscheinlich in weiser Voraussicht, mit zahlreichen Werken von Frau Wöllstein geschmückt und einige Torten sind mit ebensolchen Feen verziert. Es bietet sich also reichlich Anschauungsmaterial und Inspiration für das was vor uns liegt.

Los geht es mit fertigem Fondant, der allerdings erst einmal gefärbt werden muss. In kleinen Etappen, damit das Ergebnis nicht misslingt, nähern wir uns dem jeweils gewünschten Farbton an. Dazu ist eifriges Kneten notwendig, was zugleich aber genügend Zeit für Tipps und Ratschläge vom Profi im Umgang mit Fondant, Fachsimpelei und unterhaltsame Gespräche bietet. Die Atmosphäre ist, auch dank der offenen und humorvollen Art von Frau Wöllstein, sehr angenehm. Sie erklärt nebenbei die Verwendung der einzelnen Werkzeuge, gibt Tipps für den passenden Faltenwurf vom Kleid und steht auch sonst allen mit Rat und Tat zur Seite. Meine bildhauerischen Begabungen halten sich wirklich in Grenzen, was sich spätestens bei der Modellierung der Beine meiner Fee in vier (!!) Anläufen zeigt. Sehr praktisch, dass man beliebig oft neu beginnen kann. Mein Respekt vor der nächsten Herausforderung, nämlich dem kleinen Geschöpf auch noch Kopf und ein feines Gesicht zu modellieren, steigt. Aber mit viel Spaß, Humor über auch mal nicht ganz geglückte Teile und großer Begeisterung aller Teilnehmer nehmen unsere Feen nach und nach Gestalt an und die Ergebnisse können sich sehen lassen.

Leider zollt der Körper meiner Fee den Temperaturen des Tages Tribut. Sie sinkt immer weiter in ihren Sessel und am Ende des Tages schaut sie genau so erschöpft aus, wie ich mich fühle. Aber die Freude über die gelungene Primere und die herzliche und lockere Stimmung des Kurses lassen mich alles andere vergessen, so dass ich voller Elan und mit vielen Plänen für künftige Torten, beschwingt Wöllsteins Desserthaus verlasse.

Es hat wirklich großen Spaß gemacht und wenn München nicht so weit weg wäre, dann würde ich kommende Woche bestimmt schon wieder vorbei schauen, denn der eine oder andere Kurs klingt noch sehr vielversprechend.

So, nun wünsche ich euch eine schöne Restwoche, empfehle euch ein paar weitere Impressionen des Nachmittags in München auf Facebook und schicke euch in eine gute (Kuchen-)Zeit!